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10.04. Marathon Paris

-sdi- Ahlen/ Paris. Das kleine Abenteuer begann mit einer harmlosen E-Mail. „Wie wäre es, wenn wir unseren Paris-Trip ins Frühjahr verlegen und das Sightseeing mit einem Läufchen verbinden?“ schrieb meine Freundin. Darunter ein Link zur Seite des Paris-Marathon, die mich direkt fesselte. Obwohl ich so schnell eigentlich keinen weiteren Marathon geplant hatte, sagte ich begeistert zu.

 

 

  

Und so stand ich vergangene Woche mit fast 40000 Anderen im Startblock, hinter mir nicht nur anstrengende Trainingswochen, sondern auch der Arc de Triomphe, den ich hoffte, in weniger als vier Stunden wieder zu sehen. 42,195 Kilometer hieß es, bis dahin zu überwinden. Allerdings allein, meine Freundin war wegen einer Knieverletzung zum Zusehen verdammt. Was ihr Pech war, war mein Glück. Denn wir hatten uns zuvor Punkte herausgesucht, an denen sie mich anfeuern wollte. Dazwischen hatte ich mir fest vorgenommen, nicht nur auf die Uhr zu achten, sondern auch die Sehenswürdigkeiten zu genießen.

Doch das war nicht so einfach. Als ich um kurz nach 9 Uhr die Startlinie überquerte, merkte ich ja noch, dass ich auf einer der berühmtesten Straßen der Welt lief. Doch als ich die Champs-Elysees verließ, verengte sich das Feld und ich hatte Mühe, dem Vordermann nicht in die Hacken zu treten. Für den Louvre hatte ich in dem Moment keinen Blick, fast hätte ich auch das Rathaus, das ich Tags zuvor noch bewundert hatte, übersehen. Stattdessen doch der nervöse Blick auf die Uhr: Viel zu langsam. Die Verpflegungsstation kostete weitere Zeit und auch ein paar Ellbogenchecks musste ich einstecken, bis ich mein Wasser bekam.

Noch immer hatte sich das Feld nicht auseinander gezogen und ich näherte mich schon Kilometer neun. Hier wollte ich meine Freundin treffen. Doch auch die Zuschauer standen dicht an dicht und so hatte es wohl auch mit Glück zu tun, dass ich sie tatsächlich sah. Während sie fleißig Fotos knipste, rief ich ihr noch schnell zu: „Es ist so voll!“ Doch kaum hatte ich es ausgesprochen, hatte ich plötzlich Platz. Wir liefen in ein Waldstück, das nicht nur wohltuenden Schatten spendete, sondern auch nur wenige Zuschauer barg. Zum ersten Mal fand ich meinen Rhythmus und lief das Tempo, das ich von Anfang an geplant hatte. Ich fühlte mich wie befreit, als ich meine Freundin das zweite Mal sah, wie verabredet bei Kilometer 19. Ein kleines Stück lief sie mit, sagte mir, dass ich noch gut aussehe, und verabschiedete sich. „Kein Wunder“, dachte ich, „sie muss ja auch mit der Metro quer durch die Stadt, um mich am nächsten Punkt anzufeuern.“ Erst im zweiten Gedanken fiel mir auf, dass ja auch mir ein Weg quer durch die Stadt bevorstand. „Noch geht es mir gut“, beruhigte ich mich und konzentrierte mich auf den Gedanken, dass die Hälfte bald geschafft war. Ich wusste, dass die Zwischenzeit beim Halbmarathon per SMS an meinen Mann gesendet wird. „2:02:03 Stunden, nur zwei Minuten über dem Plan, das ist noch zu schaffen“, dachte ich mir und ließ mich von der Menge nach vorne treiben, über den Place de la Bastille, hinunter zur Seine. Der hieß es acht Kilometer zu folgen. Jeden Kilometer schaute ich auf die Uhr, versuchte, die Zeit einzusammeln, die ich am Anfang verloren hatte, und bei jeder Verpflegungsstation verlor ich sie aufs Neue. Ich näherte mich der 30-Kilometer-Marke, sah die ersten Läufer gehen und vergaß bei meiner Aufholjagd fast, den Blick einmal nach links zum Eiffelturm zu wenden. Kurz überlegte ich, die Aussicht länger zu genießen und das Massageangebot am Straßenrand anzunehmen. Doch der Ehrgeiz siegte. Noch hatte ich die Chance auf eine Zeit unter vier Stunden. Doch es wurde immer enger.

Noch zehn Kilometer in 55 Minuten rechnete ich mir aus, bevor ich wieder Ausschau nach meiner Freundin hielt, die ich an dieser Stelle verpasste. Also ohne aufmunternde Worte weiter. Noch fühlte ich mich stark, das Tempo allerdings reichte nicht. Klar wurde mir dies erst bei Kilometer 37. 27 Minuten blieben mir für die letzten 5,2 Kilometer. „Nicht zu schaffen“, dachte ich resignierend. Mir blieben fünf Kilometer, mich von meiner Traumzeit zu verabschieden und mich damit zu trösten, dass ich meine Bestzeit trotzdem um einige Minuten unterbieten würde. Um genau zu sein, um 14 Minuten, denn nach 4:03:30 Stunden kam ich ins Ziel, in den Ohren die Worte: „Allez, Silke, Courage!“ Silke Diecksmeier

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